Tag 11 – Bridge End nach Belfast

Am 7. August 2024 brach ich von Bridge End auf und erlebte Irlands dramatischste Nordküste. Vom windumtosten Malin Head über jahrtausendealte Ringfestungen, mythische Basaltsäulen und königliche Whiskeytradition bis zu Tempeln und Paläste am Klippenrand. Diese Etappe kombinierte raue Natur, bewegte Geschichte und stilles Staunen – mit Belfast als krönendem Abschluss.

Abfahrt in Bridge End – Früher Start in den Norden

Gegen 8:30 Uhr verließ ich mein Quartier in Bridge End. Die Sonne kämpfte sich durch Nebelfetzen, das Thermometer zeigte 12 °C. Der Tag sollte lang, reich und wild werden – ein echtes Nordirland-Abenteuer. Mein erstes Ziel: Malin Head, der nördlichste Punkt Irlands auf der Inishowen-Halbinsel.


Malin Head – Irlands raues Nordende

Die Straße zum Malin Head schlängelte sich durch steinige Weidelandschaften, vorbei an niedrigen Steinmauern und grasenden Schafen. Gegen 10:00 Uhr erreichte ich den Parkplatz am Aussichtspunkt.

Ein kurzer Fußweg führte zur Bastion – einem ehemaligen Signalposten aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Blick von hier war atemberaubend: endloser Atlantik, zerklüftete Küste, Windböen, die fast das Gleichgewicht raubten.

Im Gras waren noch Überreste der Buchstaben „EIRE“ zu erkennen – Landmarken für alliierte Piloten während des Krieges. Ich verweilte lange – ein Ort am Rand der Welt.


Grianán of Aileach – Königlicher Ring mit Weitblick

Auf dem Rückweg durch Inishowen bog ich gegen 10:30 Uhr zum Grianán of Aileach ab, einem Steinfort aus der frühen Eisenzeit, rekonstruiert im 19. Jahrhundert.

Die kreisrunde Anlage thront auf einem Hügel, und die Aussicht auf Lough Foyle, Lough Swilly und Donegal ist schlicht spektakulär. Ich umrundete den Ring, stand auf der Brüstung und stellte mir vor, wie hier einst Könige des Uí Néill-Clans auf ihre Ländereien blickten.


Londonderry / Derry – Geschichte auf Schritt und Tritt

Gegen Mittag erreichte ich Derry, oder wie es offiziell heißt: Londonderry. Ich parkte nahe der historischen Stadtmauer, die vollständig erhalten und begehbar ist – ein echtes Juwel der irischen Stadtarchitektur.

Ich schlenderte auf dem Wall Walk entlang der Bastionen, warf einen Blick auf die Bogside, wo politische Wandmalereien vom Bloody Sunday 1972 erzählen.

Die Atmosphäre in Derry war lebendig, die Mischung aus Altstadt, Kunst und Konfliktgeschichte faszinierte mich. Ein kurzer Lunch in einem gemütlichen Café stärkte mich für den nächsten Abschnitt.


Giant’s Causeway – Irlands geologische Ikone

Am frühen Nachmittag führte mich die A2-Küstenstraße zum Giant’s Causeway – einem UNESCO-Weltnaturerbe, das mit seinen über 40.000 sechseckigen Basaltsäulen wie aus einer anderen Welt wirkt.

Ich parkte am Besucherzentrum und nahm den Küstenpfad. Der Sage nach hat hier der Riese Fionn mac Cumhaill einen Weg nach Schottland gebaut – wissenschaftlich ist es ein vulkanisches Wunder aus dem Tertiär.

Ich balancierte über die Felsen, lauschte dem Brechen der Wellen und bewunderte die Symmetrie der Natur. Trotz Touristenmengen – ein magischer Ort.


Bushmills Distillery – Irlands älteste Brennerei

Nur wenige Minuten weiter machte ich Halt bei der legendären Old Bushmills Distillery, gegründet 1608 – offiziell die älteste lizenzierte Whiskeybrennerei der Welt.


Mussenden Temple & Downhill Demesne – Tempel am Rand

Mein letzter landschaftlicher Halt des Tages lag etwas weiter östlich: der romantisch gelegene Mussenden Temple, hoch über den Klippen von Downhill Beach, nahe Castlerock.

Ursprünglich als Bibliothek im 18. Jahrhundert erbaut, war er inspiriert vom römischen Tempel der Vesta. Der Anblick ist dramatisch: Der runde Tempel thront an der Klippenkante, das Meer rauscht tief unten, der Wind pfeift durch die Ruinen der Downhill Demesne, einst Sitz des Bischofs von Derry.

Ich blieb lange, fotografierte, staunte, dachte. Einer der erhabensten Orte der Nordküste.


Ankunft in Belfast – Großstadt mit Tiefe

Gegen 20:30 Uhr rollte ich in Belfast ein, die Hauptstadt Nordirlands.

Ich checkte in ein Hotel im Gasworks Park ein und genoss den ruhigen Abend im Hotel

Zum Abendessen gab’s Fish & Chips mit lokalem Bier – einfach, ehrlich, gut.