Am 12. August 2024 machte ich mich auf zur Durchquerung der irischen Midlands – eine Etappe voller Kontraste. Frühchristliche Klöster, Whiskeytradition, neoklassizistische Architektur und geheimnisvolle Ruinen erzählten vom Wandel Irlands zwischen Spiritualität, Kultur und Romantik. Am Abend erreichte ich tief beeindruckt mein Hotel in Leixlip – das Tor zu Dublin.
Morgendlicher Aufbruch in Roscommon
Gegen 9:00 Uhr verließ ich mein Hotel in Roscommon, bei klarer Luft und feinem Morgenlicht. Der heutige Tag versprach eine abwechslungsreiche Fahrt durch die grüne Mitte Irlands – mit Stopps, die Jahrhunderte umspannten. Mein erstes Ziel: Clonmacnoise, eine der bedeutendsten Klosteranlagen Irlands.
Clonmacnoise – Frühchristliches Zentrum am Shannon
Etwa eine Stunde später stand ich auf einem sanften Hügel über dem Shannon, wo sich die Überreste von Clonmacnoiseerstrecken – gegründet 545 n. Chr. von St. Ciarán.
Die Anlage umfasst mehrere Kirchenruinen, zwei markante runde Türme, ein Besucherzentrum mit Artefakten und einige der berühmtesten keltischen Hochkreuze Irlands, darunter das kunstvoll verzierte Cross of the Scriptures.
Ich wanderte zwischen Gräbern und Mauerresten, spürte die stille Würde des Ortes und blickte über die friedliche Flusslandschaft. Einst ein Machtzentrum von Glaube und Gelehrsamkeit – heute ein Ort tiefer Besinnung.
Tullamore Distillery – Moderne Whiskeytradition
Die Fahrt führte mich ostwärts nach Tullamore, Heimat des legendären Tullamore D.E.W.-Whiskeys. Die neue, hochmoderne Tullamore Distillery liegt am Grand Canal und bietet Besucher:innen eine eindrucksvolle Kombination aus Innovation und Tradition
Emo Court & Estate – Klassik im Grünen
Nach einem kurzen Snack fuhr ich weiter nach Emo Court, ein großartiges Beispiel neoklassizistischer Architektur, entworfen vom berühmten Architekten James Gandon (der auch die Custom House in Dublin plante).
Das Herrenhaus aus dem späten 18. Jahrhundert liegt in einem weitläufigen Park mit uralten Bäumen, einem See und formalen Gartenanlagen. Ich nahm an einer Führung teil: innen hohe Stuckdecken, Marmorkamine, elegante Proportionen – ein echtes Kleinod.
Der Spaziergang durch den Park war entspannend, das Licht fiel durch Buchen- und Eichenkronen. Ein Ort von Harmonie, Weite und Symmetrie.
Rock of Dunamase – Burg auf dem Felsen
Der nächste Halt war ein dramatischer: Rock of Dunamase, eine normannische Burgruine aus dem 12. Jahrhundert auf einem Kalksteinfelsen östlich von Portlaoise.
Schon aus der Ferne wirkt der Ruinenkranz auf dem Hügel imposant. Oben angekommen bot sich ein grandioser Rundumblick über die Laois-Ebene. Die Mauern sind teils stark verfallen, aber gut zugänglich. Man kann durch alte Tore, Schießscharten und einstige Wohnbereiche gehen – und dabei den Wind spüren, der hier Geschichte erzählt.
Ducketts Grove – Romantikruine im Rosengarten
Weiter südöstlich liegt Ducketts Grove, ein neogotisches Landhaus aus dem 19. Jahrhundert – heute eine malerische Ruine, eingebettet in einen öffentlich zugänglichen Park.
Die Ruine wirkt wie aus einem Fantasyfilm: Zinnen, Türme, dekorative Fensterrahmen – alles leer, aber stilvoll erhalten. Ich spazierte durch den ummauerten Garten, in dem heute Rosen und Lavendel blühen.
Früher war dies der Sitz der einflussreichen Duckett-Familie – bis das Haus 1933 durch einen Brand zerstört wurde. Heute ist es ein Ort für Fotografie, Spaziergänge – und angeblich sogar für Geisterbegegnungen.
Ankunft in Leixlip – Am Rand der Hauptstadt
Gegen 19:30 Uhr erreichte ich Leixlip, eine Kleinstadt im County Kildare, nur rund 20 km westlich von Dublin.
Leixlip liegt am Zusammenfluss von Liffey und Rye – der Ortsname stammt vom altnordischen Lax Hlaup, „Lachssprung“. Mein Hotel lag am Fluss, modern, aber mit historischem Flair. Nach dem Einchecken gönnte ich mir ein Pint in einem nahegelegenen Pub – zufrieden und voller Eindrücke.
