Tag 14 – Belfast nach Roscommen

Am 10. August 2024 verließ ich das geschichtsträchtige Belfast und reiste quer durch Irland nach Roscommon. Der Tag führte mich zu frühmittelalterlichen Abteien, Kathedralen voller Legenden, normannischen Burgen und durch mystische Wälder. Es war eine Etappe voller Stille und Geschichte – reich an Eindrücken, die leise aber tief nachwirkten.

Abfahrt in Belfast – Abschied vom Norden

Nach zwei intensiven Tagen in Belfast startete ich gegen 9:00 Uhr in Richtung Süden. Die Straßen waren ruhig, ein leichter Morgennebel lag über der Stadt. Mein Ziel: Roscommon, tief im Zentrum Irlands gelegen – aber unterwegs warteten einige außergewöhnliche Orte, die Irlands Geschichte atmen.


Inch Abbey – Ruinen am Fluss Quoile

Mein erster Halt war Inch Abbey, nahe Downpatrick. Die Überreste dieser zisterziensischen Abtei aus dem 12. Jahrhundert liegen idyllisch am Ufer des Quoile-Flusses.

Hier wurde einst die Legende von St. Patrick und der Schlangenvertreibung verschriftlicht. Ich wanderte zwischen den Mauerresten umher, spürte den Wind zwischen den Bögen, und stellte mir das monastische Leben im Mittelalter vor.

Die Kombination aus Landschaft und Geschichte macht diesen Ort besonders – kein Eintritt, kaum Menschen, pure Atmosphäre.


Down Cathedral – Grab von St. Patrick

Nur wenige Kilometer weiter erreichte ich Downpatrick Cathedral, offiziell „Cathedral Church of the Holy and Undivided Trinity“.

Hier liegt St. Patrick, Irlands Nationalheiliger, angeblich begraben – gemeinsam mit St. Brigid und St. Columba. Ein schlichter Gedenkstein aus Granit kennzeichnet das Grab auf dem Kirchhügel.

Die heutige Kathedrale stammt größtenteils aus dem 13. und 15. Jahrhundert, wurde jedoch mehrfach restauriert. Ich trat ein – gotische Bögen, schlichte Glasfenster, eine ruhige, würdige Atmosphäre. Der Besuch war ein stiller Moment der Verbindung zur spirituellen Tiefe Irlands.


Tollymore Forest Park – Märchenlandschaft & Filmkulisse

Der Weg führte mich nun weiter westlich in die Ausläufer der Mourne Mountains zum Tollymore Forest Park, einem der schönsten Naturparks Nordirlands.

Bekannt wurde er u.a. durch Game of Thrones, als Drehort für den „Haunted Forest“ nördlich der Mauer. Ich wanderte auf dem Riverside Trail, vorbei an alten Steinbrücken, exotischen Bäumen, und einem Wasserfall.

Die Mischung aus Natur, Architektur (etwa das steinerne „Hermit’s Hut“) und Licht war fast magisch. Ich begegnete Reitern, Vogelstimmen und – zum Glück – kaum Touristen. Ein Ort zum Durchatmen.


Trim Castle – Normannisches Machtzentrum

Am frühen Nachmittag überquerte ich die Grenze zur Republik Irland und erreichte Trim Castle im County Meath – die größte normannische Burg Irlands.

Erbaut im späten 12. Jahrhundert von Hugh de Lacy, ist sie beeindruckend erhalten. Besonders eindrucksvoll: der zentrale Keep (Hauptturm) mit seinen massiven Mauern. Ich schloss mich einer Führung an und lernte viel über die Anglo-Normannen, die hier ihre Macht über Irland festigten.

Auch Filmfans kennen den Ort – Szenen aus Braveheart wurden hier gedreht. Von der Burgmauer aus hatte ich einen weiten Blick über das Boyne Valley – geschichtsträchtiger Boden.


St. Mel’s Cathedral, Longford – Neugotik und Neuanfang

Nächster Halt: Longford, wo ich die imposante St. Mel’s Cathedral besuchte. Die ursprüngliche Kirche wurde 1840 begonnen, im neoklassischen Stil erbaut – mit Kuppel, Kassettengewölbe und riesigen Säulen.

Tragisch: Ein Großbrand zerstörte Weihnachten 2009 das gesamte Innere. Doch die Gemeinde baute die Kathedrale mit großem Einsatz neu auf – heute steht sie heller und moderner als je zuvor.

Ich war tief beeindruckt vom Mut und Engagement dieser Gemeinschaft – ein Ort des Glaubens, aber auch der Hoffnung und des Wiederaufbaus.


Ankunft in Roscommon – Zur Ruhe kommen

Gegen 20:00 Uhr erreichte ich mein Hotel in Roscommon, eine kleine Stadt mit viel ländlichem Charme und keltisch-normannischem Erbe.

Ich checkte ein, legte meine Sachen ab und unternahm noch einen kurzen Spaziergang durch den Ort. Die Straßen waren ruhig, die Sonne senkte sich über den Dächern, Kinder spielten auf einem nahen Sportplatz.

Das Abendessen im Hotelrestaurant war einfach, aber gut – bodenständig, wie der Tag selbst.