Tag 08 – Tarbert nach Lisdoonvarna

Am 4. August 2024 führte mich meine Reise durch das südwestliche Irland, von Tarbert bis in den Kurort Lisdoonvarna. Zwischen Burgruinen, Abteien, Aussichtspunkten und spektakulären Küstenlinien sammelte ich Eindrücke aus Geschichte, Geografie und Natur – und landete am Ende in einer Stadt, die für Liebe, Musik und Mineralquellen bekannt ist.

Abfahrt aus Tarbert – Morgendlicher Blick über den Shannon

Ich verließ Tarbert gegen 9:00 Uhr bei leichtem Nieselregen. Die frische Luft roch nach Seegras, Möwen kreisten über dem Fluss. Der River Shannon wirkte wie ein ruhiger Spiegel zwischen zwei Welten – und genau diese beiden Seiten Irlands wollte ich heute erleben: seine ruhmreiche Vergangenheit und seine raue Küste.


Glin – Ein Dorf mit adeliger Vergangenheit

Mein erster Halt war das malerische Dorf Glin, nur wenige Kilometer westlich von Tarbert. Das Highlight hier: Glin Castle, einst Stammsitz der „Knight of Glin“, einer anglo-normannischen Adelsfamilie mit über 700-jähriger Geschichte.

Das Schloss ist heute privat bewohnt und nur selten öffentlich zugänglich, aber der Park und die Aussicht auf den Shannon lohnen den Stopp allemal. Ich spazierte kurz durch den Ortskern – ein typisches irisches Dorf mit bunten Fassaden, Pub, Kirche und viel Charme.


Foynes – Fluggeschichte und Inselblicke

Nächster Halt: Foynes, bekannt als einstiger Flugboothafen und Geburtsort des Irish Coffee.

Ich fuhr zu einem kleinen Aussichtspunkt mit Blick auf Foynes Island, eine langgestreckte grüne Insel inmitten des Shannon-Mündungsdeltas.

Wer mag, kann das Foynes Flying Boat & Maritime Museum besuchen – es dokumentiert die Ära der Atlantikflüge mit Wasserflugzeugen in den 1930er- und 40er-Jahren. Heute begnügte ich mich mit dem Blick auf die Bucht und einem kurzen Spaziergang am Wasser.


Askeaton Abbey – Gotik, Geschichte, Gänsehaut

Wenige Kilometer weiter wartete die eindrucksvolle Ruine der Askeaton Franciscan Abbey, gegründet im Jahr 1389. Ich parkte direkt am Fluss Deel und betrat die Abtei durch einen halb zerfallenen Torbogen.

Trotz – oder gerade wegen – ihres ruinösen Zustands strahlt sie eine unglaubliche Atmosphäre aus: kreuzgangartige Arkaden, Spitzbogenfenster, Grabplatten und Moos überwucherte Steinsarkophage. Ich war allein auf dem Gelände, begleitet nur vom Rufen der Krähen – ein stiller, eindringlicher Ort.


Limerick – Moderne Stadt mit mittelalterlichem Kern

Um die Mittagszeit erreichte ich Limerick, drittgrößte Stadt Irlands und urbaner Knotenpunkt der Westküste.

Ich parkte am Shannon und spazierte durch das Stadtzentrum – vorbei an der St. Mary’s Cathedral, durch die Fußgängerzonen der Innenstadt und schließlich zum Flussufer, wo das gewaltige King John’s Castle thront.

Die Burg stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und wurde unter der Herrschaft von König Johann von England errichtet. Die interaktive Ausstellung war hervorragend aufbereitet – mit Modellen, Rüstungen und einem Einblick in das Leben im mittelalterlichen Limerick.


Cappagh Pier – Das Ende der Straße

Nach der Stadt ging es wieder zurück an die Küste. Bei Kilrush bog ich auf kleinere Straßen ab, um den wenig bekannten, aber wunderbar abgelegenen Cappagh Pier zu erreichen.

Der Pier liegt an einem Ausläufer des Shannon, umgeben von Moor, Wasser und Stille. Ein paar Angler standen auf den Steinen, Möwen kreisten über den glitzernden Wellen.


Carrigaholt Castle – Meerblick mit Geschichte

Weiter westlich erreichte ich das Fischerdorf Carrigaholt. Direkt am Hafen thront die Ruine des Carrigaholt Castle, erbaut um 1480 von den O’Briens.

Die Turmruine, direkt am Wasser, ist nicht begehbar, aber beeindruckend in ihrer Lage. Ein Ort, der von Sturm und Geschichte zugleich erzählt. Ich machte einen kurzen Rundgang durch das Dorf, das charmant verschlafen wirkte.


Loop Head – Wind, Wellen, Weite

Die Fahrt entlang der Loop Head Peninsula war spektakulär. Ich erreichte das Loop Head Lighthouse, wo der Atlantik auf dramatische Weise auf die Klippen trifft.

Vom Leuchtturm aus sah ich Delfine in der Bucht und Möwen, die im Wind segelten. Ich spazierte entlang der Steilküste und spürte die rohe Kraft der Natur – ein echter “Edge of the World”-Moment.


Spanish Point – Sonne, Surfer, Seeluft

Auf dem Rückweg Richtung Norden machte ich Halt in Spanish Point, benannt nach den gestrandeten spanischen Seeleuten der Armada 1588.

Heute ist der Ort ein beliebter Surfspot. Der Strand war belebt, das Licht warm. Ich setzte mich auf eine Steinbank, beobachtete Wellen und ließ mir die Seeluft um die Nase wehen.


Cliffs of Moher – Im Nebel verborgen

Am frühen Abend erreichte ich schließlich eines der berühmtesten Ziele Irlands: die Cliffs of Moher. Doch das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung – dichter Nebel hatte sich über die Küste gelegt.

Ich konnte kaum zehn Meter weit sehen. Der tosende Ozean war nur zu erahnen, die Klippen unsichtbar. Statt Panoramafoto gab’s mystische Stimmung. Ich lächelte – Irland eben.


Ankunft in Lisdoonvarna – Kurort mit Charakter

Gegen 20:30 Uhr rollte ich in Lisdoonvarna ein. Der Ort ist bekannt für seine Mineralquellen und das Matchmaking Festival, das jedes Jahr im Herbst Tausende Menschen anzieht.

Ich checkte in ein kleines Hotel ein und machte noch einen Spaziergang durch den Ort – live Musik erklang aus einem Pub, Touristen und Einheimische saßen lachend zusammen. Ich ließ den Tag mit einem Pint und traditioneller Musik ausklingen.