Der 3. August 2024 führte mich entlang der wilder werdenden Westküste Irlands, von Portmagee bis Tarbert. Es war ein Tag voller Gegensätze: raue Klippen, mystische Stätten, überfüllte Strände und stille Ruinen. Ich durchquerte dramatische Landschaften, traf auf Geister der Geschichte – und beendete den Abend mit leckerem Curry am Shannon.
Morgendlicher Aufbruch in Portmagee – Küstenklarheit
Gegen 8:45 Uhr verließ ich Portmagee – die Luft war klar, die Straßen noch leer. Fischerboote dümpelten im Hafen, die Skellig Islands verschwanden hinter einer Morgendunstwand. Es lag eine besondere Stille über der Szenerie – der Beginn eines Reisetages, der alle Facetten des westirischen Sommers in sich tragen sollte.
Kerry Cliffs – Steil, still, spektakulär
Nur wenige Kilometer westlich erreichte ich die Kerry Cliffs – über 300 Meter hohe Klippen, die steil ins tosende Blau des Atlantiks stürzen.
Der Wind war kräftig, trieb Gischt in feinen Sprühnebeln über die Aussichtsplattformen. Die Skellig-Inseln zeichneten sich in der Ferne schemenhaft ab. Ich war fast allein – ein seltener Moment ungestörter Dramatik.
Coomanaspic – Atemberaubende Höhe
Die schmale Straße hinauf zum Coomanaspic Pass schlängelte sich in engen Kurven durch grüne Berghänge. Schafe lagen seelenruhig mitten auf der Straße, der Himmel wechselte im Minutentakt zwischen Blau und Grau.
Vom höchsten Punkt aus bot sich ein Blick über tiefe Täler, die Klippen von Portmagee – und gefühlt bis nach Amerika.
Ba na Scealg (Skellig Ring) – Straße ins Wilde
Die Weiterfahrt über den Skellig Ring – irisch Bá na Scealg – war ein Fest für alle Sinne: kurvige Straßen, dramatische Küsten, verstreute Cottages und dazwischen immer wieder Aussichtspunkte, bei denen man einfach anhalten muss.
Ein besonders magischer Abschnitt, der mit jedem Kilometer mehr Irland zeigte, wie man es sich erträumt.
Inch Strand – Sommerchaos im Sand
Gegen Mittag kam ich am berühmten Inch Strand an – ein kilometerlanger Sandstrand, der an diesem Tag vollständig mit Autos überparkt war. Familien picknickten, Kinder spielten im Wind, Surfer trugen Boards Richtung Wellen.
Es war laut, bunt und trubelig – ein Kontrast zu den stillen Klippenmomenten des Morgens.
Fairy Fort – Schafe, Alpakas und alte Magie
Etwas weiter landeinwärts entdeckte ich ein ausgeschildertes Fairy Fort, ein uralter Ringwall, vermutlich aus der Eisenzeit. Beim Spaziergang dorthin begegnete ich Schafen und zwei neugierigen Alpakas, die mich misstrauisch beäugten.
Das Fort selbst lag auf einer Kuppe, bewachsen mit hohem Gras und Disteln. Eine Infotafel warnte augenzwinkernd davor, die Kräfte der „Fair Folk“ zu stören – ich blieb lieber auf dem Pfad.
Ceann Sleibhe (Slea Head) – Blick ans Ende der Welt
Zurück an der Küste fuhr ich bis Ceann Sleibhe (Slea Head), dem westlichsten befahrbaren Punkt Europas. Die Aussicht war atemberaubend: auf das tiefblaue Meer, die Blasket Islands, und die zerfurchten Klippen, gegen die unaufhörlich Wellen schlugen.
Die Straße selbst war ein Abenteuer – eng, steil, kurvig – aber jede Kurve lohnte sich.
Dunmore Head – Wanderung durch Wind und Weite
Ich stellte das Auto auf einem kleinen Parkplatz ab und machte mich auf den Weg zur Spitze von Dunmore Head – dem westlichsten Punkt des irischen Festlands. Der Pfad führte über Weideland, vorbei an uralten Steinmauern.
Oben: nichts als Meer, Wind, und das Gefühl, am Rand der Welt zu stehen. Ich verweilte lange – ein Moment purer Freiheit.
Ardfert – Kathedrale der Stille
Auf dem Weg nach Norden hielt ich in Ardfert, nahe Tralee. Die Ruinen der mittelalterlichen Kathedrale mit ihren romanischen Bögen und gotischen Fenstern standen verlassen im goldenen Spätnachmittagslicht.
Nebenan: der Franciscan Friary, teils eingestürzt, teils von Efeu überwuchert – eine melancholische, erhabene Szenerie. Ich war allein dort – nur die Krähen begleiteten mich.
Tarbert – Hotel, Hafen und überraschend indisch
Gegen 20:30 Uhr erreichte ich Tarbert, einen kleinen Ort am Shannon River, bekannt als Fährverbindung nach County Clare.
Mein Hotel war schlicht, aber komfortabel – die Überraschung wartete im Erdgeschoss: ein authentisches indisches Restaurant, betrieben von einer Familie aus Kerala. Ich bestellte Butter Chicken, Naan und Mango Lassi – und genoss nach einem Tag voller irischer Eindrücke eine köstlich exotische Note.
