Der 2. August 2024 war eine Reise durch Zeit und Landschaft. Von mystischer Waldstille über regennasse Klosterruinen und Gräbern bis zu sturmumtosten Pässen führte mich die Route von Glengarriff nach Portmagee. Ich folgte dem Wild Atlantic Way – Irlands dramatischster Straße – immer weiter durch Geschichte, Küstenwind und stille Schönheit.
Morgen in Glengarriff – Zwischen Wald und Wasser
Ich verließ mein Gästehaus in Glengarriff gegen 9:00 Uhr – die Luft war frisch, leichter Nebel lag über dem Tal. Mein erster Halt war nur wenige Schritte entfernt: die Blue Pool, eine von Bäumen gesäumte Meeresbucht, die wie ein verwunschener Waldsee wirkte.
Das Wasser war glasklar, die Oberfläche spiegelte den Himmel. Nur ein leises Plätschern war zu hören – ein perfekter Einstieg in einen Tag voller Natur und Geschichte.
Whiddy Island View – Erste Weite am Morgen
Weiter ging es Richtung Bantry. Oberhalb der Bucht hielt ich am Aussichtspunkt mit Blick auf Whiddy Island, eine grüne Insel mitten in der Bantry Bay, bekannt für ihre Rolle als Tankerlager während des 20. Jahrhunderts – heute ein Rückzugsort mit wenigen Bewohnern und reicher Vogelwelt.
Der Ausblick auf das ruhige Wasser, eingerahmt von sanften Hügeln und tief hängenden Wolken, hatte etwas Zeitloses. Ich atmete tief durch, bevor ich mich auf die Straße zur Beara-Halbinsel begab.
Dursey Island – Einsamkeit im Regen
Die Fahrt über die kurvenreiche R572 Richtung Westen war spektakulär. Kurz vor dem Ziel, dem westlichsten Punkt der Beara-Halbinsel, setzte Regen ein – ein feiner, gleichmäßiger Niesel, wie er nur in Irland vorkommt.
Am Dursey Sound angekommen, fuhr die berühmte Dursey Island Cable Car tatsächlich – Irlands einzige Seilbahn über das offene Meer. Trotz des Wetters entschied ich mich für die Überfahrt.
Auf Dursey Island wurde ich von tiefhängenden Wolken, Wind und absoluter Stille empfangen. Ich wanderte rund zwei Stunden über die Insel, vorbei an verlassenen Steinhäusern, grasenden Schafen und einer uralten Klosterruine mit angrenzendem Friedhof. Die Grabsteine lagen schief, überwachsen vom Gras – ein eindringlicher Ort, weit entfernt von der Welt.
Zurück in den Süden – Start des Ring of Kerry
Zurück auf dem Festland und inzwischen wieder trocken, machte ich mich auf den Weg Richtung Ring of Kerry, der bei Kenmare beginnt. Ich fuhr im Uhrzeigersinn, um dem Reisebusverkehr zu entgehen. Die Straße wurde schmaler, der Ausblick dramatischer – Irland zeigte sich in voller Pracht.
Dooneen Pier – Der stille Moment
Ich bog in der Nähe von Sneem ab zum Dooneen Pier, einer kleinen Anlegestelle mit weitem Blick über die Kenmare Bay. Kein Mensch weit und breit. Ich saß eine Weile auf der Pierkante, hörte den Wind und die Wellen. Einer dieser unaufgeregten, vollkommenen Momente, für die man reist.
Derrynane House – Heimat eines Freiheitskämpfers
Nächster Halt war das Derrynane House, einst Familiensitz von Daniel O’Connell, dem „Befreier Irlands“. Das kleine Museum war informativ und herzlich geführt – Originalmöbel, Briefe, Portraits.
Doch das wahre Highlight war der Spaziergang durch den Garten und über den Pfad zum nahegelegenen Derrynane Beach: weißer Sand, Dünen, Felsen und das offene Meer. Hier traf Geschichte auf Landschaft in perfekter Harmonie.
Com an Chiste (Coomeen Pass) – Über den Wolken
Ich wagte den Abstecher über den Com an Chiste Pass, ein kleiner, kaum befahrener Bergpass zwischen Caherdaniel und Waterville. Die Straße war steil und schmal, aber der Ausblick überwältigend: Felsige Hügel, Regenbögen in der Ferne, Nebelschwaden in den Tälern – Irland im Hochformat.
Waterville – Küstenflair mit Hollywood-Charme
In Waterville, einem charmanten Küstenort, legte ich eine kurze Kaffeepause ein. Der Ort ist bekannt für seinen berühmtesten Stammgast: Charlie Chaplin, dem eine Bronzestatue am Meer gewidmet ist.
Ich genoss einen Flat White und ein Stück Banoffee Pie mit Blick auf die Wellen – Touristen, Fischer, Möwen, alles schien hier nebeneinander zu existieren.
Ankunft in Portmagee – Farben, Fisch und Frieden
Gegen 19:30 Uhr erreichte ich schließlich Portmagee, ein malerisches Hafenstädtchen und Ausgangspunkt zu den Skellig Islands.
Ich bezog mein Zimmer in einem kleinen Bed and Breakfast mit Blick auf das Meer. Anschließend machte ich einen Rundgang durch den Ort: bunte Häuser, Fischerboote, Holzplanken unter den Schuhen und der salzige Geruch des Meeres.
Am Abend aß ich im Fisherman’s Bar & Skellig Restaurant einen perfekten Fischteller aus dem Fang des Tages.
