Am 14. August 2024 tauchte ich tiefer ein in Dublins Herz – zwischen Kopfsteinpflaster, klassischer Literatur, schöner Denkmäler und zeitgenössischer Destillierkunst. Der Tag führte mich durch jahrhundertealte Bibliotheken, zu literarischen Denkmälern, durch königliche Gemäuer und in die Welt des irischen Craft Whiskeys. Dublin zeigte sich geistreich, charmant und überraschend modern.
Dublin Castle – Diesmal mit Ticket und Tiefgang
Nach dem gestrigen Fehlschlag kehrte ich heute früh zum Dublin Castle zurück – diesmal mit vorab gebuchtem Ticket. Die Führung begann im State Apartments, wo einst britische Vizekönige residierten. Räume mit Kronleuchtern, vergoldetem Stuck, schweren Teppichen und Porträts von Monarchen wirkten wie aus der Zeit gefallen.
Besonders interessant war der Besuch des unterirdischen Ausgrabungsbereichs, wo Teile der ursprünglichen normannischen Ringmauer und des „Black Pool“ (Dubh Linn) zu sehen sind – der Namensgeber der Stadt. Eine unerwartet eindrucksvolle Mischung aus Mittelalter, Empire und Republik.
Molly Malone – Dublins wohl berühmteste Balladenfigur
Von dort war es nicht weit zur Molly Malone Statue in der Suffolk Street. Die Bronzefigur zeigt die legendäre Fischhändlerin mit tiefem Dekolleté und hölzernem Handwagen.
Ob Molly Malone tatsächlich gelebt hat, ist bis heute umstritten – aber das Lied „Cockles and Mussels“ ist längst Teil des irischen Kulturerbes. Touristen reiben angeblich für Glück an ihrer Brust – ich beließ es bei einem Foto und einem leisen Mitsummen der Melodie.
Oscar Wilde Monument – Ironie im Park
Im grünen Merrion Square Park, nicht weit vom Trinity College, traf ich den vielleicht berühmtesten Sohn der Stadt: Oscar Wilde. Das Denkmal ist ungewöhnlich – Wilde liegt halb auf einem Felsen, scheinbar im Gespräch, mit spöttischem Gesichtsausdruck.
Rundherum: Tafeln mit seinen bekanntesten Zitaten, teils auf spiegelndem Granit. Mein Favorit: “I can resist everything except temptation.” – typisch Wilde. Der Park war ruhig, eine Oase mitten in der Stadt – ein idealer Ort für ein kurzes Innehalten.
Trinity College – Irlands akademisches Herzstück
Gegen Mittag betrat ich das Gelände des Trinity College, gegründet 1592 von Königin Elizabeth I. – eine der ältesten Universitäten Europas. Der von alten Steingebäuden umgebene zentrale Platz wirkte wie eine Zeitkapsel.
Die Tour führte mich in die berühmte Long Room Library, eine Halle von 65 Metern Länge, mit dunklem Holz, galeriartigen Emporen und Tausenden ledergebundener Bücher.
Ich war überwältigt – ein Raum wie aus Harry Potter, aber real. Zwischen Büchern, Büsten und Holzstaub lag hier pure Wissensgeschichte in der Luft.
Book of Kells – Keltische Kunst in Pergament
Ein Höhepunkt des Tages war ohne Zweifel der Besuch beim Book of Kells, das im selben Gebäudekomplex ausgestellt ist. Dieses illuminierte Manuskript stammt aus dem 9. Jahrhundert, geschrieben von Mönchen auf der Insel Iona.
Die gezeigten Seiten – aufwendig verziert mit keltischer Knotenornamentik, Tiermotiven und leuchtenden Farben – wirkten beinahe überirdisch. Ein beeindruckendes Zeugnis der irisch-frühmittelalterlichen Kunst- und Buchtradition, das noch heute tief berührt.
Stadtrundgang – Flair, Fassaden, Fußgängerzonen
Am Nachmittag erkundete ich die Stadt weiter zu Fuß: über die Grafton Street, vorbei am St. Stephen’s Green, durch das kreative Viertel rund um George’s Street Arcade.
Straßenkünstler spielten auf Harfe, Geige und Didgeridoo, während sich Touristen, Einheimische und Studenten unter das Pflasterleben mischten. Dublin lebt – auf eine leise, geerdete und kultivierte Weise.
Teeling Distillery – Handwerk trifft Innovation
Zum Abschluss besuchte ich die Teeling Whiskey Distillery in den Liberties – die erste neue Destillerie, die seit über 125 Jahren in Dublin eröffnet wurde. Sie kombiniert Tradition mit Innovation: moderne Architektur trifft auf historische Brennkunst.
Die Führung war kurzweilig und informativ. Ich erfuhr von Single Malt, Pot Still, und den einzigartigen Eichenfassreifungen, u.a. in Rum-, Wein- oder Sherryfässern. Beim Tasting überzeugte mich besonders der Teeling Small Batch – ein kräftiger, würziger Whiskey mit leichter Süße.
