Tag 10 – Sligo nach Bridges End 

Am 6. August 2024 verließ ich die stille Küste von Rathlee und fuhr nordwärts durch Irlands tiefen Westen. Die Route war reich an Geschichte und dramatischer Natur: Burgen, Megalithgräber, Sandbuchten, versunkene Schiffe und majestätische Klippen begleiteten mich. Der Tag endete dort, wo Irland fast schon Nordirland küsst: in Bridge End

Früher Morgen in Rathlee – Ein Tag beginnt mit Weite

Ich wachte gegen 7:00 Uhr auf. Mein Gästehaus lag oberhalb der Küste – draußen war es still, nur das entfernte Grollen des Atlantiks war zu hören.

Nach einem kräftigen Frühstück mit Porridge, Honig und schwarzem Tee verabschiedete ich mich von der freundlichen Gastgeberin und machte mich auf den Weg – mein erster Stopp war nur wenige Minuten entfernt.


Roslee Castle – Turm mit Gezeitenblick

Das Roslee Castle, oft übersehen, liegt direkt an der Küste bei Easky, County Sligo. Die Burgruine aus dem 16. Jahrhundert war einst ein O’Dowd-Stammsitz, strategisch über dem Atlantik erbaut.

Ich stand ganz allein auf dem Felsplateau, der Wind pfiff durch die Fensteröffnungen. Möwen kreisten, und in der Ferne rollten lange Wellen ans Ufer. Ein Ort für stille Gedanken und windzerzauste Fotos.


Carrowmore – Magie der Megalithen

Nur eine halbe Stunde Fahrt ins Landesinnere liegt Carrowmore Megalithic Cemetery, eine der ältesten und größten neolithischen Gräberstätten Irlands. Einige Gräber hier sind über 5.000 Jahre alt – älter als Stonehenge oder die ägyptischen Pyramiden.

Ich nahm an einer geführten Tour teil, lernte über Dolmen, Steinkreise, und die astronomische Ausrichtung dieser Stätte. Besonders faszinierend war Grab 7 mit seiner gut erhaltenen Kammer und den umliegenden Satellitengräbern. Die karge Weite rundherum verstärkte die mystische Atmosphäre.


Rosses Point – Strandspaziergang im Wind

Zurück an der Küste legte ich einen Zwischenstopp am Rosses Point Beach ein, einem langen, windoffenen Sandstrand nördlich von Sligo.


Spanish Armada Memorial – Erinnerung an Schiffbruch und Schicksal

Etwas weiter westlich erreichte ich das Spanish Armada Memorial bei Grange, wo 1588 das spanische Schiff La Lavianach einem Sturm zerbrach.

Ein schlichtes Denkmal erinnert an die Katastrophe und an die fast 1.100 spanischen Seeleute, die entlang dieser Küste ihr Leben verloren. Ich stand still, sah aufs Meer, das heute so friedlich wirkte – kaum zu glauben, dass es einst ein Grab war.


Donegal Castle – Normannischer Stolz im Herzen der Stadt

Am frühen Nachmittag erreichte ich die Stadt Donegal. Das gut restaurierte Donegal Castle, einst Residenz des O’Donnell-Clans, steht imposant am Fluss Eske.

Ich nahm mir Zeit für eine Führung: Die erhaltenen Räume, das große Kaminzimmer und die Holzdecke mit rekonstruierter Farbgebung gaben Einblick in das höfische Leben des 15. und 16. Jahrhunderts. Besonders spannend: der Kontrast zwischen normannischem Steinbau und gälischer Wohnkultur.


Sliabh Liag – Wanderung auf Irlands höchste Klippen

Gegen 16:00 Uhr war ich an den Sliabh Liag Cliffs, den höchsten Meeresklippen Irlands: 601 Meter über dem Atlantik. Ich parkte am Besucherzentrum und wanderte den Weg bis zum Aussichtspunkt. Der Wind war stark, aber die Sicht klar – eine seltene Kombination.

Von oben sah ich die gewaltige Falllinie der Klippen, das endlose Meer, und in der Ferne sogar einen Segler. Ich verweilte lange – es war einer dieser Orte, die demütig machen.


Bunbeg Wrack – Das vergessene Schiff im Sand

Ein letzter, atmosphärischer Halt war das Bunbeg Shipwreck, auch bekannt als Bád Eddie. Das hölzerne Fischerboot strandete 1977 am Magheraclogher Beach und liegt seitdem fotogen im Sand.

Die untergehende Sonne tauchte das Wrack in warmes Licht, Kinder spielten in der Nähe, ein Hund rannte durch die flachen Wellen. Ich machte einige Fotos – wissend, dass das Wrack jedes Jahr ein Stück mehr verschwindet.


Ankunft in Bridge End – Grenze zur Geschichte

Gegen 20:00 Uhr erreichte ich Bridge End, ein kleiner Ort im County Donegal nahe der Grenze zu Nordirland.